Für dich ausgegraben….

Heute meine Eindrücke zur

Ausstellung „Faszination Pyramiden“ im MAMUZ

Das Museum MAMUZ in Mistelbach zeigt seit 4 Jahren Sonderausstellungen mit verschiedenen Schwerpunkten. Von 2014 bis 2017 wurden eher urgeschichtliche Themen vorgestellt. Heuer, zum ersten Mal, widmet sich die Ausstellung einem geografischen breiteren Thema und unterstreicht somit sein Leitmotiv: „40.000 Jahre Mensch“.

Zur Erinnerung oder für diejenigen unter den Lesern, die noch nicht in Mistelbach waren, 2014 fand „Giganten der Eiszeit. Auf den Spuren der Mammutjäger“ statt. Beeindruckend war das lebensgroße Mamut! Darauf folgte 2015 „Ötzi. Der Mann aus dem Eis“. Die neuersten Erkenntnisse über die Südtiroler Eismumie wurden interaktiv vermittelt. 2016 und 2017 stand der Steinkreis von Stonehenge im Mittelpunkt mit der Ausstellung „Stonehenge. Verborgene Landschaft“. Hier imponierte mir die Rekonstruktion eines Megaliths.

Seit Samstag, dem 3. März zeigt das Museum Mistelbach eine neue Ausstellung unter dem Titel „Faszination Pyramiden“. Diese läuft noch bis 25. November 2018. Ich habe mir gleich am ersten Tag die Ausstellung mit der Familie angeschaut.

Die Ausstellung ist in zwei Bereichen unterteilt. Im ersten Teil erfahren wir einiges über die Bauwerke selbst: die verschiedenen Formen der Pyramiden (Stufen-, Knick- und gerade Pyramiden), mit welchen Bauinstrumenten vermessen wurde und wie überhaupt Pyramiden gebaut wurden (Rampen- und Hebetheorie). Im zweiten Teil geht es um die Rezeption der Antike und insbesondere der Ägyptomanie im Europa des 18.Jhs..

Interessant fand ich, dass die Ausstellung mit einer Figurine des Imhotep und nicht mit einer Orientierungskarte beginnt. Imhotep gilt als großer Baumeister der Djoser- und der Sechemchet-Pyramiden (beide stufenförmig, befinden sich unweit voneinander) im Alten Reich (2.700 – 2.200 v. Chr.). Ausgesprochen beeindruckend waren die vielen Pyramidenmodelle in unterschiedlichen Größen aber auch die Bautheorienmodelle, die zwei Hypothesen des Pyramidenbaus darstellten.

Atemberaubend war auch der Nachbau der Grabkammer des Künstlers Sennedjem. Man geht hinein und fühlt sich gleich in einer anderen Welt versetzt. Die Farben, das Licht und die Darstellungen sind umwerfend. Allein für diese Rekonstruktion der Grabkammer lohnt es sich die Ausstellung zu besichtigen!

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Am Ende des historischen Bereichs der Ausstellung gibt es die Möglichkeit für kleine und große Kinder eine Pyramide nachzubauen oder das Brettspiel „senet“ zu versuchen. Es erinnert sehr stark an „snakes and ladders“. Da wir erst am Nachmittag die Ausstellung besuchten, waren nicht sehr viele andere Besucher anwesend und wir konnten beide Spiele mit den Kindern ausprobieren. Die „Würfel“ machten viel Lärm. Ich bin mir nicht sicher, ob es die gleichzeitig stattfindende Führung beeinträchtigte.

Der zweite Teil der Ausstellung, die Ägyptomanie in Europa des 18. Jhs. fängt nicht wie erwartet mit Napoleons Reise nach Ägypten (die den Höhepunkt des Interesses Europas an Ägypten kennzeichnet) sondern mit Gemälden und Grabmodellen. Die Rekonstruktion des Pantheons von Wörlitz ist ein Highlight des oberen Ausstellungsraumes. Das Gebäude wurde nach dem Vorbild des Pantheons in Rom gebaut, darin befinden sich jedoch die frühesten nach altägyptischen Vorlagen geschaffenen Kunstwerke in Deutschland (1795). Ein weiterer Höhepunkt des zweiten Teils der Ausstellung ist sicherlich die Aufreihung der vielen Pyramiden in den jetzigen Überresten und ihre vermutete ursprüngliche Formen mit Grabkammern.

20180303 160640 MobileNatürlich können in einer Ausstellung über die Ägyptomanie in Europa Bühnenbilder der Opern „Zauberflöte“ und „Aida“ nicht fehlen! Touchscreen und Kopfhörer ermöglichen mit weiteren Sinnen diese Ausstellung zu erleben. Und wer mit offenen Augen durch die Ausstellung geht, wird die „Notausgang“-Schilder im ägyptisierten Stil erkennen. Das Ausstellungskonzept wurde bis ins kleinste Detail an das Thema angepasst!!

Wer sich für die Rezeption Ägyptens in Europa und bsd. in der k.u.k. Monarchie interessiert, sollte die Vorträge des wissenschaftlichen Vereins „Egypt and Austria“ in Wien nicht verpassen! Denn das Ziel des Projektes „Egypt and Austria“ ist es, die Beziehungen zwischen Mitteleuropa und Ägypten in der Zeit zwischen 1815 und 1918 zu untersuchen.

Fazit des Besuches:

Ich empfehle jedem herzlichst diese Ausstellung anzuschauen auch wenn ich es schade finde, dass die Beschriftungen nur auf Deutsch und Tschechisch sind. Viele Touristen aus anderen Ländern bekommen somit nur die Hälfte mit. Englisch wäre sicherlich sinnvoller gewesen. Mit der Zeit bekommt das Museum immer mehr Bekanntheit und auch Ausländer, die in Österreich Leben und der deutschen Sprache noch nicht mächtig sind, hören von dieser schönen und tollen Einrichtung als Familienausflugsziel. Jedoch können sie ihren Besuch nur begrenzt genießen. Um sich international gut positionieren zu können, würde ich dem Museum empfehlen in Zukunft auf deutsche und englische Beschriftungen umzusteigen. Außerdem, wäre eine Orientierungskarte mit den Standorten aller Pyramiden am Beginn der Ausstellung sehr sinnvoll.

20180303 150129 MobileAlle Fotos © Monamy

05.03.2018

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